Wann sich Anlageberatung lohnt – und wann man auf sie verzichten kann!

zwei Personen sitzen vor zwei Laptops und werten gemeinsam Notizen aus

Komplexe Finanzthemen wie Steuererklärungen und Anlagemethoden, die in der Zukunft von fast jedem Schüler eine Rolle spielen, werden in der Schule leider bestenfalls oberflächlich angeschnitten. Dementsprechend ist die Allgemeinbildung, was finanzielle Themengebiete betrifft, im Durchschnitt deutlich niedriger, als sie eigentlich sein sollte. Wenn sich nicht grade das Studium oder die privaten Interessen um die Finanzwelt drehen, schieben viele Menschen das Nachholen dieses Basiswissens vor sich her. Nun ist es aber so, dass unser Rentensystem durch den demografischen Wandel nicht unbedingt seinen Aufgaben gewachsen ist. Und auch die Inflation macht das klassische Sparen eher unattraktiv. Wer also das Beste aus seinem Geld machen möchte und eventuell ein kleines Vermögen aufbauen möchte, kommt kaum noch um den Aktienmarkt herum. „Aber wie funktioniert der? Wo lege ich mein Geld am besten an? ETF, Dividende, Fonds?… Dafür brauche ich erst mal ein Wörterbuch.“
Sich das Wissen im Nachhinein anzueignen, kann eine ziemliche Herausforderung sein – besonders wenn der Terminkalender schon mit Uni oder Arbeit belegt ist. Ein Anlageberater muss her. Der kann bestimmt helfen, das Beste aus meiner Situation zu machen. Oder? In diesem Beitrag geht es um den Unterschied zwischen interessengetriebener Beratung und gutem neutralen Rat. Wer rausfinden möchte, worauf man achten sollte und wann sich die Anlageberatung überhaupt lohnt, sollte unbedingt weiterlesen.

 

Interessenvertretung. Aber wessen?

Wer neu in die Welt der Anlagemethoden eintauchen möchte und sich beratende Unterstützung suchen will, denkt vermutlich zuerst an seine Bank. „Banken kennen sich mit Finanzen aus, sicherlich werden sie mir helfen können, die beste Anlagemöglichkeit für mein Geld zu finden.“ Das ist allerdings eher die Ausnahme. Zwar bieten fast alle Banken eine Beratung zu Investitionsmöglichkeiten an, diese Beratung hat dabei allerdings nicht immer das Beste für den Kunden im Sinn. Noch vor wenigen Jahren kam ein Test der Stiftung Warentest zu einem ziemlich vernichtenden Ergebnis: Von 23 Banken sind es lediglich drei, die tatsächlich gute Beratung anbieten. Aber woran kann das liegen? Banken müssten sich doch gut auskennen?

Das ist auch nicht das Problem. Die Anforderungen an ein Beratungsgespräch hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf ihrer Webseite aufgelistet:

  1. Der Berater bittet Sie um Informationen.
    (Beispielsweise über die finanzielle Situation oder über die Ziele und Dauer der Anlage)
  2. Er informiert Sie über alle wesentlichen Umstände.
    (Ob es sich um eine unabhängige Honorarberatung oder eine provisionsbasierte Beratung handelt)
  3. Auf Basis der Kundeninformationen empfiehlt er Ihnen ein geeignetes Produkt.
  4. Er dokumentiert die Empfehlung.

 

Die Wurzel der Problematik steckt in Punkt 2: Berater einer Bank sind keine unabhängigen Berater. Sie sind – nicht unbedingt in allen Fällen, aber in den meisten – vor allem darauf aus, die bestmöglichen Erfolge für ihr Unternehmen zu erzielen, um die beste Provision zu bekommen.

Die Produkte, die dem Unternehmen am meisten bringen, sind jedoch nicht immer die optimale Wahl für den Kunden. Im Zweifel zieht der Kunde hier also den Kürzeren. Anlagefonds in Form von ETF’s sind nun mal meistens provisionsfrei und werden deshalb natürlich auch nicht so oft empfohlen, auch wenn sie perfekt für den Kunden wären. Die Schäden, die durch mangelhafte Beratungsqualität und wenig Kundenorientierung entstehen, wurden in einer Studie der Uni Bamberg mit etwa 50 Milliarden Euro im Jahr beziffert. Das muss man sich mal vorstellen. 50 Milliarden Euro weniger, weil Berater und Unternehmern ihre eigenen Interessen über die der Kunden stellen.

 

Nichts ist gratis

Ok, also was tun, um das zu vermeiden? Zunächst mal zu dem, was man aktiv tun kann:

Also zum einen ist es – vor allem für alle ohne Vorkenntnisse – ratsam, mehr als ein Beratungsgespräch zu führen. So legt man sein ganzes Vertrauen nicht in die Worte einer Person.

Zum anderen ist es vorteilhaft, sich auch schon im Vorhinein zu informieren. Wer sich mit Fachzeitschriften und legitimen Online-Magazinen ein bisschen Basiswissen aneignet, ist weniger anfällig, über den Tisch gezogen zu werden.

 

Eine andere Methode, bei der die Gefahr geringer ist, ist die unabhängige Honorarberatung. Hierbei ist der Berater eben nicht bei der Bank oder bei einem Unternehmen angestellt, von dem er Provision für die Vermittlung bestimmter Produkte erhält. Er bekommt sein Geld direkt vom Kunden und vermittelt dann idealerweise tatsächlich die Interessen der Kunden. Er agiert unabhängig von den Unternehmen und Produkten, die er vermittelt, lässt sich dies natürlich aber auch kosten. Die heutige Gesellschaft, in der sich die Mehrheit lieber gratis Apps holt und dafür mit Werbung bombardieren lässt, anstatt für ein Produkt zu zahlen, tendiert tatsächlich auch bei der Beratung zu der Gratis-Variante. Allerdings zahlt man hier natürlich auch. Die Kosten sind nur als laufende Kosten und Provisionsbeträge nicht direkt so offensichtlich wie der Stundenpreis eines Honorarberaters.
Insgesamt lässt sich sagen:

Beratung ist gut und wichtig, man sollte nur drauf achten, wer einen berät.

Wessen Interessen werden hier wirklich vertreten? Die des Kunden oder die der Firma und des Beraters. Gibt es die Möglichkeit, einen unabhängigen Berater zu befragen, sollte man sie nutzen.

Und sich im Vorhinein die Zeit zu nehmen, um sich selber ein bisschen in die Thematik einzulesen, kann in keinem Fall schaden.

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