Riester-Rente Reform 2026: Neustart oder nur ein neues Etikett?

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Riester-Rente Reform 2026: Neustart oder nur ein neues Etikett?

Die Riester-Rente galt lange als Sorgenkind der privaten Altersvorsorge. Hohe Kosten, starre Garantien und komplizierte Regeln haben dafür gesorgt, dass viele Verträge zwar abgeschlossen, aber kaum noch aktiv bespart wurden. Mit dem Altersvorsorgereformgesetz hat die Bundesregierung nun eine grundlegende Reform der Riester-Rente beschlossen. Die klassische Riester-Rente verschwindet und wird ersetzt durch neue, kapitalmarktorientierte Produkte.

Wie viel steckt hinter dieser Reform? Oder wird lediglich ein altes System neu verpackt? Genau hier lohnt sich ein neutraler Blick.

 

Was ändert sich durch die Riester-Reform konkret?

Kern der Reform ist die Einführung eines Altersvorsorgedepots ohne Garantievorgaben. Damit verabschiedet sich der Gesetzgeber erstmals vom bisherigen Dogma der vollständigen Beitragsgarantie. Zusätzlich bleiben Produkte mit 80 % oder 100 % Garantie für sicherheitsorientierte Sparer erhalten.

  • Auch die Förderung wird neu strukturiert. Die bisher feste Grundzulage von 175 Euro entfällt. Künftig gibt es eine beitragsabhängige Förderung:
  • Für jeden eingezahlten Euro bis 1.200 Euro erhältst Du 30 Cent staatlichen Zuschuss,
  • Für weitere 600 Euro noch 20 Cent.
  • Die maximale Förderung liegt damit bei 480 Euro pro Jahr.
  • Ab 2029 soll der Zuschuss für die ersten 1.200 Euro sogar auf 35 Cent steigen.

Der maximal geförderte Eigenbeitrag bleibt bei 1.800 Euro jährlich.

 

Mehr Kapitalmarkt, weniger Zwang – ein Schritt in die richtige Richtung?

Aus strategischer Sicht ist der Wegfall der starren Garantiepflicht der wichtigste Fortschritt der Riester-Renten-Reform. Garantien haben in der Vergangenheit vor allem eines bewirkt: Renditeverzicht. Gerade bei langen Laufzeiten waren Riester-Verträge dadurch oft ineffizient.

Ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgaben eröffnet erstmals echte Kapitalmarktbeteiligung. Ähnlich wie internationale Modelle in Schweden oder Großbritannien. Genau das fordern Experten seit Jahren.

Aber: Kapitalmarktnähe allein macht noch keine gute Altersvorsorge. Entscheidend ist, wie Produkte konstruiert, gesteuert und begleitet werden.

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Das neue Standardprodukt: günstig, aber reicht das?

Anbieter müssen künftig ein sogenanntes Standardprodukt anbieten. Dieses ist kostenbegrenzt, nutzt Standardeinstellungen und verteilt Abschluss- und Vertriebskosten über die gesamte Laufzeit.

Das klingt verbraucherfreundlich, wirft aber Fragen auf. Altersvorsorge ist kein reines Kostenproblem. Sie ist ein Planungsproblem. Wer nur auf niedrige Effektivkosten schaut, übersieht schnell, dass fehlende Struktur, falsche Risikoeinstellungen oder ungünstige Entnahmestrategien langfristig deutlich teurer sein können als ein paar Basispunkte Gebühren.

Gute Altersvorsorge entsteht nicht durch ein Produkt, sondern durch eine Strategie, die zu Deinem Einkommen, Deiner Laufbahn und Deinen Zielen passt.

Unser Tipp: Achte nicht nur auf die Kosten des Versicherungsmantels, sondern auch die Kosten für die Geldanlage (Fonds) sollten moderat sein.

 

Auszahlungsphase: mehr Flexibilität, aber neue Risiken

Positiv ist, dass künftig neben der klassischen Leibrente auch langlaufende Auszahlungspläne bis mindestens zum 85. Lebensjahr möglich sind. Das erhöht die Flexibilität und passt besser zu modernen Ruhestandskonzepten.

Kritisch bleibt die Frage, was danach passiert. Wer sehr alt wird, trägt ein reales Langlebigkeitsrisiko. Genau hier zeigt sich erneut: Ohne ganzheitliche Planung bleibt selbst ein flexibles Produkt unvollständig.

 

Frühstart-Rente: guter Gedanke, begrenzte Wirkung

Mit der Frühstart-Rente führt der Staat ein gefördertes Altersvorsorgedepot für Kinder und Jugendliche ein. Zehn Euro pro Monat vom Staat zwischen dem sechsten und 18. Lebensjahr sollen früh Kapitalmarktgewöhnung schaffen.

Das Signal ist richtig. Der Effekt bleibt überschaubar. Vermögensaufbau entsteht nicht durch Symbolpolitik, sondern durch konsequente, langfristige Planung. Ohne finanzielle Bildung und ohne Einbindung in eine spätere Gesamtstrategie verpufft auch dieser Ansatz schnell.

 

Bestehende Riester-Verträge: behalten, wechseln oder stoppen?

Wichtig: Bestehende Riester-Verträge bleiben bestehen. Neue Alt-Riester-Verträge können ab 2027 nicht mehr abgeschlossen werden. Ein freiwilliger Wechsel in das neue System ist möglich, aber nicht automatisch sinnvoll.

Ob Du einen bestehenden Riester-Vertrag weiterführst, beitragsfrei stellst oder später wechselst, hängt nicht von der Reform ab, sondern von Deiner persönlichen Situation. Einkommen, Steuersatz, Restlaufzeit und vorhandene Alternativen sind hier entscheidend.

Pauschale Empfehlungen führen an dieser Stelle fast immer in die falsche Richtung.

 

Kritik aus der Branche: nicht unbegründet

Viele Verbände kritisieren vor allem den Kostendeckel und die Vergütungslogik. Der Kern der Kritik ist nachvollziehbar: Gute Beratung lässt sich nicht beliebig strecken oder digitalisieren.

Altersvorsorge ist kein Einmalabschluss, sondern ein lebenslanger Prozess. Wer Beratung strukturell entwertet, riskiert genau das, was Riester lange geschadet hat: viele Verträge, wenig Wirkung.

Aus unserer Sicht ist klar: Ein günstiges Produkt ohne Strategie ist keine Lösung. Eine Strategie ohne Verkaufsdruck hingegen schon.

 

Die Riester-Reform öffnet Türen – durchgehen musst Du selbst

Die Riester-Rente-Reform markiert einen wichtigen Bruch mit alten Denkweisen. Mehr Kapitalmarkt, weniger Garantiezwang und flexiblere Auszahlungen sind richtige Schritte.

Ob daraus für Dich eine sinnvolle Altersvorsorge entsteht, hängt aber nicht vom Gesetzestext ab, sondern davon, wie Du diese Bausteine in Deine Gesamtplanung integrierst. Hinterfrage, ob die Riester auch zu Deinem Leben passt. Solltest Du eine Riester-Rente haben und sich Deine Lebensumstände ändern, dann überprüfe, ob die Riester immer noch der ideale Baustein ist, denn: Deine Produkte sollten sich an Dich anpassen und nicht umgekehrt.

Geförderte Altersvorsorge kann funktionieren. Sie ist aber niemals ein Selbstläufer. Erst im Zusammenspiel mit privatem Vermögensaufbau, klarer Ruhestandsplanung und einer unabhängigen, honorarbasierten Beratung entsteht daraus ein Konzept, das trägt.

Nicht das Produkt entscheidet über Deinen Ruhestand – sondern der Plan dahinter.

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